Bibliothek für Mathematik und Informatik

 

  In Bibliotheken fühlt man sich wie in Gegenwart eines großen Kapitals,  
  das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet.

  J. W. von Goethe


Bei der Gründung der Hochschule im Jahre 1868 als Polytechnische Schule in München gab es noch keine Informatik; die Mathematik war in der Allgemeinen Abteilung untergebracht. Einer der ersten Mathematiker, Nicolaus Bischoff (ordentlicher Professor für Algebraische Analysis, Trigonometrie und Neuere Geometrie) war Leiter der Bibliothek der gesamten Hochschule. Bereits im Jahre 1875, als Felix Klein zum Nachfolger von Otto Hesse berufen wurde, schuf man das Mathematische Institut und den Grundstock einer gemeinsamen Mathematischen Bibliothek. Diese Altbestände umfassen ca. 600 Werke mit Schwerpunkt Geometrie und Geschichte der Mathematik, darunter zwei Galilei - Erstausgaben aus dem 17. Jahrhundert. Sie sind noch weitgehend erhalten und für Interessierte eingeschränkt zugänglich.

Bis 1969 war die Bibliothek im wesentlichen als geschlossene Einheit an ihrem ursprünglichen Platz im Stammgelände, teils im heutigen Seminarraum -1229, untergebracht. Dieser Raum dient zur Zeit auch als Archiv für die Altbestände. Beim Bezug des Südost-Geländes ­ heute Robert - Sauer - Gebäude ­ wurde die Bibliothek in den Raum S 3437 verlagert. Mit der Einführung des stark expandierenden Studienganges Informatik unter dem Dach der Mathematik im Jahre 1967 wuchsen die Anforderungen; unter großen Opfern der Institute wurde das Raumangebot mehr als verdoppelt. Im Wintersemester 1995/96 wurden 30 Arbeitsplätze neu eingerichtet. Derzeit stehen insgesamt 50 Arbeitsplätze zur Verfügung; angesichts von ca. 250 Mitarbeitern und 2.000 Studierenden viel zu wenig. Zur Zeit wächst die Bibliothek jährlich um 5.500 Einheiten. Das entspricht 130 laufenden Regalmetern oder ­ bei kompakter Aufstellung ­ einem Raum von 15-18 qm. Die Bibliothek belegt heute etwa 580 qm Fläche; hinzu kommen dislozierte Magazinflächen. Im Zusammenhang mit dem Auszug der Fakultät für Maschinenwesen nach Garching wird die Bibliothek in mehr als zwei Stockwerken untergebracht werden. Diese Planungen haben in der Hochschule die höchste Priorität bei allen Baumaßnahmen erhalten und sollen 1998 zur Ausführung kommen.

Mit der Etablierung einer eigenen Fakultät für Mathematik im Jahre 1974 (ab 1980: Fakultät für Mathematik und Informatik), im Gefolge der Hochschulgesetzgebung der sechziger und siebziger Jahre, begann ei ne Umstrukturierung der Bibliothek ­ weg von der klassischen Instituts- bzw. Lehrstuhlbibliothek mit Präsenzcharakter für Professoren und Mitarbeiter und hin zu einem Dienstleistungsbetrieb auch mit Versorgung unserer Studierenden und Fakultätsexterner. Durch die Trennung der Fakultät für Mathematik und Informatik im Oktober 1992 in die Fakultät für Mathematik und in die Fakultät für Informatik hat sich an der Organisationsstruktur nach außen wenig geändert. Beide Fakultäten haben vereinbart, eine gemeinsame Bibliothek zu betreiben.

Der Bestand der Bibliothek umfaßt z. Zt. ca. 75.000 Bände an Monographien, Kongreßpublikationen, Gesammelten Werken, Serien, Zeitschriften (darunter 450 laufende Titel), Lexika, Dissertationen und 36.200 Berichten. Der Bezug von Berichten in Papierform wurde auf die Institutionen beschränkt, die ihre Veröffentlichungen nicht über das Internet zur Verfügung stellen. Die Berichte der anderen Institutionen sind dem Benutzer auf der Home Page der Bibliothek über das Internet leichter und schneller zugänglich als früher. Zusätzlich ist auf einem Bibliotheksrechner ein Server des NCSTRL (Networked Computer Science Technical Reports Library) - Projektes von Cornell installiert, der den Zugang zu den Berichten von derzeit 90 Institutionen eröffnet. Die physische Aufstellung des Buchbestandes folgt den oben genannten Bücherarten; weiteres Kriterium ist ­ außer bei den Kongreßpublikationen und Lexika ­ ausschließich das Alphabet. Es gibt demnach keine Gliederung der Aufstellung nach Sachgebieten, wie bei der sog. systematischen Freihandaufstellung. Die Erwerbungstätigkeit erstreckt sich auf die gesamte Breite der Fächer Mathematik und Informatik. Der ingenieurmäßigen Ausrichtung der Informatik entsprechend, und weil die Zentralbibliothek der TUM als sog. Technische Landesbibliothek gilt, ist die Erwerbung besonders intensiv: Der Etat betrug 1996 ca. DM 667.000, bei einem hohen Anteil an Fakultätsmitteln.

Der personelle Aufbau der Bibliothek begann im Jahre 1971 mit der Schaffung einer Bibliothekar - Stelle (mit Schwerpunkt Erwerbung und Katalogisierung) anläßlich der Berufung des langjährigen Bibliotheksbeauftragten Professor Elmar Thoma. Den wachsenden Bedürfnissen der Benutzer aus den Fakultäten Rechnung tragend, aber auch den Zwängen der Öffnung zur Dienstleistungsbibliothek "Mathematik und Informatik" folgend, stellten die Fakultäten zwei weitere Stellen (und zusätzlich erhebliche Hilfskraftmittel) und die Zentralbibliothek eine halbe Kraft zur Verfügung.

Die Bestände der Bibliothek sind seit 1989 durch eine Buchsicherungsanlage geschützt; diese Maßnahme wurde nach eklatanten Verlusten ausgeführt.

Die zwei großen mathematischen Referate-Organe, das Zentralblatt für Mathematik und ihre Grenzgebiete des Springer-Verlags und die Mathematical Reviews der American Mathematical Society, sind auch als CD-ROM-Datenbank verfügbar. Das Zentralblatt heißt in dieser Form CompactMath, die elektronische Form der Reviews MathSci. Beide Produkte stehen über den WWW-Server unserer Bibliothek zur Verfügung. CompactMath ist aus lizenzrechtlichen Gründen nur für Mitglieder der Fakultät für Mathematik über das Netz zugänglich. Für Bibliotheksbenutzer besteht die Möglichkeit, an einem PC die CD-Rom Version von CompactMath zu benutzen. In Zusammenarbeit mit dem Projekt MeDoc (volltextbasierte Informations- und Publikationsdienste für die Informatik) stehen den Angehörigen der Fakultät für Informatik zahlreiche Bücher und Zeitschriften zur Verfügung.

Seit August 1993 werden in der Bibliothek die Inhaltsverzeichnisse aller Neuzugänge mit dem Dokumentverwaltungssystem OMNIS/ Myriad erfaßt und recherchierbar gespeichert. Der ältere Bestand wurde durch Datenbänder der Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken in den Datenbestand eingebracht. Das System wird ab Ende 1995 auch zur Unterstütztung des Ausleihbetriebes in der Bibliothek eingesetzt, der im Laufe des Jahres 1997 auf Selbstverbuchung umgestellt wird.

Das Internet-Angebot unserer Bibliothek befindet sich ebenfalls in stetigem Aufbau. Ein Besuch lohnt sich! Hier können Sie auf elektronische Zeitschriften und Berichte weltweit ebenso zugreifen wie auf die Kataloge unserer und anderer Bibliotheken, Buchhändler und Verlage. Unser EDV-System OMNIS/ Myriad wird durch die nachhaltige Unterstützung der beiden Fakultäten Informatik und Mathematik inzwischen zu einem integrierten Bibliothekssystem mit Erwerbungs- und Katalogisierungs/ Archivierungsfunktionen, Recherche- und Ausleihmodul weiterentwickelt. Im Rahmen unserer erweiterten Dienstleistungen bietet die Fakultätsbibliothek ab Ende 1997 eine elektronische Ausleihe an, bei der Sie vom Arbeitsplatz aus Bücher vormerken können.

Die Bibliothek ist maßgeblich für die Initiierung und Entwicklung des Systems ELEKTRA verantwortlich, das ab Oktober 1997 eingesetzt wird. Dieses Projekt strebt die Verwirklichung des elektronischen Zugangs zu einem verteilten Zeitschriftenbestand, die Volltextrecherche und ­ auf Wunsch ­ die Papierreproduktion am Arbeitsplatz des Benutzers an. Nach Absprache der teilnehmenden Institutionen soll eine Maximalzahl verschiedener Zeitschriftentitel der Fachgebiete Mathematik und Informatik recherchiert werden können. Der Datenbestand einer bestimmten Bibliothek wird lokal gespeichert und kann über Rechnernetz ebenfalls von Benutzern aller übrigen Teilnehmerbibliotheken recherchiert werden. Zusätzlich zu diesen recherchierbaren Informationen wird die erste Seite eines jeden Artikels eingescannt.

Bei Bedarf kann im Sinne eines elektronischen Aufsatzdienstes ein Zeitschriftenaufsatz (vom Benutzer bzw. der Bibliothek) bei der besitzenden Institution angefordert werden. Dort wird der gesamte Artikel eingescannt und als Graphikdatei dem lokalen Bibliotheksserver übertragen. Pilotbibliotheken des Systems sind die Bayerische Staatsbibliothek München, die Fakultätsbibliothek Mathematik der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universitätsbibliothek Augsburg und die Fakultätsbibliothek Mathematik/ Informatik der Technischen Universität München.

Über die Neuzugänge (Bücher, Berichte, Zeitschriften) unserer Bibliothek kann man sich in den news - Gruppen informieren.


Reiner.Kallenborn @informatik.tu-muenchen.de
Thomas.Ströhlein @informatik.tu-muenchen.de


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Copyright © 1998 Institut für Informatik, Technische Universität München
Martina.Crasovschi @informatik.tu-muenchen.de
Erstellt: 15.3.1998
Letzte Änderung: 2.10.1998