Forschungs- und Lehreinheit Informatik LRZ:
Rechnernetze
Prof. Dr. Heinz-Gerhard Hegering, Ordinarius (Ordinarius der LMU München und Mitglied des Lehrkörpers der TU München, Vorsitzender des Direktoriums des LRZ)
Tel.: +49-89-289-28702
Fax.: -280-9460
Email: hegering@lrz.de
WWW: http://wwwhegering.informatik.tu-muenchen.de
Schwerpunkte in Forschung und Lehre
- Kommunikationssysteme, Protokolle
- Planung und Management von Rechnernetzen
- Systemprogrammierung, Betriebssysteme
- DV-Versorgungsstrukturen
- Systemanforderungen von Client/Server-Strukturen
- Systemanforderungen objekt-orientierter Ansätze
- Systemanforderungen durch Daten-, Funktions- und Lastverbund-Management
Forschungs- und Entwicklungsprojekte
Klassische Mainframe-basierte Rechenkapazitätsbereitstellung rückt
immer mehr in den Hintergrund zugunsten einer Dienstbereitstellung auf
der Basis verteilter Systemverbunde mit Client-Server-Konzepten. Die
Entwicklung von Betriebsstrategien für derartige neuere
DV-Versorgungsstrukturen wie auch die Einbindung von massiv-parallelen
Rechensystemen in eine Vielbenutzerumgebung mit offener Population
bedeuten nicht nur betriebliches, sondern weitgehend auch
wissenschaftliches Neuland.
Die Forschungsaktivitäten des von Prof. Hegering geleiteten
Münchner Netzmanagement Teams, das sich aus wissenschaftlichen
Mitarbeitern der Technischen Universität München, der
Ludwig-Maximilians-Universität und des Leibniz-Rechenzentrums der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften zusammensetzt, konzentrieren
sich deshalb auf sämtliche den Betrieb derartiger
DV-Versorgungsstrukturen sichernde Managementaufgaben und die damit
verbundenen Fragestellungen.
Die besondere Herausforderung besteht im Entwurf von integrierten
Managementlösungen für heterogene Netz- und Systemumgebungen in
einer Weise, daß "offenes", d. h herstellerunabhängiges und
produktübergreifendes Management möglich wird. (Abb. 1 zeigt die
einem integrierten Management zugrundeliegenden Dimensionen.)
Abb. 1 Dimensionen des integrierten Managements
Offenes Management muß auf genormten Managementarchitekturen
aufbauen, an deren Entwicklung die Forschungsgruppe mitarbeitet. Zur
Realisierung der oben genannten Strategien in heterogener Umgebung ist
ein integriertes Management essentiell, das alle Management-Ebenen
(siehe Abb. 2) einschließt.
Die folgenden Projekte werden u. a in enger Kooperation mit
verschiedenen Industrieunternehmen (z. B Siemens, SNI, HP, IBM, BMW,
Genias, ICS, Stadtwerke München, Cabletron) durchgeführt:
Projekt Netzmanagement
Beim Betrieb umfangreicher, heterogener
Corporate Networks fallen derzeit Aufgaben an, denen die von
vorhandenen Netzmanagementwerkzeugen bereitgestellte Funktionalität
nicht gerecht wird. Ein Ziel des Projekts ist die Entwicklung neuer
Managementdienste, die in offener, heterogener Umgebung verwendbar
sind. Weiterhin wird eine Methode entwickelt, die es erlaubt, die
notwendige Funktionalität in einer Form zu strukturieren, die dem
jeweiligen Problembereich angepaßt ist. Dies gilt besonders für den
Bereich der Eventkorrelation, da die unzureichende Behandlung von
Ereignissen in der Praxis ein wichtiges Problem darstellt: Tritt ein
Fehler in einem zu managenden System auf, wird der Administrator mit
zahlreichen mehr oder weniger aussagekräftigen Ereignissen
überschüttet, sog. "event storms", die Symptome des Problems melden.
Einfache Filterung von Ereignissen kann dies nicht effektiv beheben.
Ziel des zu entwickelnden Eventkorrelators ist, die Anzahl der
gemeldeten Ereignisse zu verringern und ihren Informationsgehalt zu
erhöhen. Im Idealfall kann der Eventkorrelator einen Ereignissturm zu
einem einzigen Ereignis verdichten, das unmittelbar auf das Problem
deutet. Wir konzentrieren uns darauf, einen Abhängigkeitsgraphen aus
existierenden Informationsquellen zu gewinnen und diesen für
Eventkorrelation zu nutzen.
Abb. 2 Ebenen des integrierten Managements
Virtuelle Netze sind logische Einteilungen physischer Netze, die
anhand der Organisationsstruktur von Unternehmen definiert werden.
Dieses Projekt untersucht, welche Anforderungen sich aus dem Einsatz
virtueller Netze für ein integriertes Management dieser Netze ergeben
und versucht, hierfür möglichst generische Managementlösungen
anzubieten. Teilfragestellungen befassen sich mit der Modellierung
managementrelevanter Teile der Unternehmensorganisation, logischer und
physischer Netze. Weiterhin sind Abbildungsfunktionen von
Organisationsstrukturen auf logische Netze und dann auf physische
Netze notwendig. Hierfür werden geeignete Managementdienste
spezifiziert.
Projekt Systemmanagement
Die Entwicklung von Betriebsstrategien
und Unterstützungskomponenten für Client/Server-Systeme mit
zunehmend mobilen Benutzern ist eine der zentralen und bisher
ungelösten Aufgaben des Systemmanagements. Gleichzeitig steigen
damit natürlich die Anforderungen an die Verfügbarkeit derartiger
Umgebungen, was neuartige Herausforderungen für das Management von
Endsystemen mit sich bringt.
Es muß deshalb das Ziel sein, das
Systemmanagement in ein Management der gesamten DV-Infrastruktur
einzubetten. Integriertes Management von Endsystemen ist ein
Forschungsgebiet, das bis heute noch weitestgehend unbeachtet
geblieben ist. Dies gilt insbesondere für mobile Endsysteme wie
Notebooks oder Personal Digital Assistants, deren Zahl und Bedeutung
ständig zunimmt. Von gegenwärtig besonderer Wichtigkeit ist die
Untersuchung von Fragestellungen, die sich aus der Mobilität
(genauer: Nomadizität) von portablen Endsystemen bzw. deren
Benutzern in Datennetzen ergeben. Existierende Managementsysteme für
Datennetze berücksichtigen dies bisher kaum, vielmehr erscheint
Nomadizität als "Störung" im Managementsystem. Ebenso müssen
Lösungen für das Management der Infrastruktur, die nomadische
Systeme bei ihrer Bewegung unterstützt, gefunden werden.
Die Betrachtungen dieses Umfelds sind eng verknüpft mit der oben
angesprochenen Eventkorrelation, dem Management virtueller Netze sowie
inbesondere mit Aufgaben im integrierten Sicherheitsmanagement.
Ein weiterer Schwerpunkt befaßt sich mit dem Einsatz von flexiblen,
kooperierenden Agenten mit dem Ziel, die dynamische Delegierung von
Managementfunktionalität zu ermöglichen. Das Konzept basiert auf
dem Paradigma der Intelligenten Agenten, dessen Anwendung im
Bereich Netz- und Systemmanagement eine Reihe von Fragestellungen
aufwirft. Hierunter fallen die Spezifizierung von Delegierungsdiensten
und Kooperationsmechanismen zwischen den Agenten, die Identifizierung
und Beschreibung von delegierbaren Managementfunktionen sowie die
Festlegung der Architektur von flexiblen Agenten. In diesem Projekt
wurde einerseits ein Rahmenwerk erstellt, das die aus der
Dezentralisierung von Managementfunktionalität resultierenden
Fragestellungen umfaßt, und andererseits eine neue Agentenarchitektur
konzipiert, die die entsprechenden Anforderungen erfüllt.
Ziel ist hierbei, die verteilte Realisierung von komplexen
Managementaufgaben zu ermöglichen.
Eine prototypische Implementierung des Konzepts auf der Basis der
Java Agent Template (JAT) Agentenarchitektur ist bereits
vorhanden. Sie wird momentan um Managementfunktionen
für ausgewählte Fehlermanagementszenarien ergänzt. Als
Kommunikations- und Kooperationsprotokoll zwischen den Agenten wird
das Knowledge Query Manipulation Language (KQML)-Protokoll
angewendet.
Das Projekt wird im Rahmen des Graduiertenkollegs "Kooperation und
Ressourcenmanagement in verteilten Systemen" durchgeführt.
Projekt Enterprise- und Anwendungsmanagement
Integriertes Management für ein ganzes Unternehmen muß sich sowohl
mit den Netzkomponenten und Endsystemen als auch mit
unternehmensweiten Datenbeständen und den in verteilter Umgebung
ablaufenden Anwendungen befassen. Die Existenz unterschiedlicher
Managementarchitekturen erschwert dies zusätzlich. Für ein auf
diesen Architekturen aufsetzendes sogenanntes "Umbrella"-Management
fehlen heute noch adäquate Managementmodelle für verteilte
Anwendungen, Managementdienste und Konzepte für Management-Gateways,
also Übergänge zwischen den Architekturen.
Im Rahmen dieses Projekts werden deshalb Modelle entwickelt, mit denen
integriertes Management unterschiedlichster Anwendungen in heterogener
Umgebung erleichtert bzw. erst ermöglicht wird. Sie sind semantisch
reich genug, um die Anforderungen des Enterprise Management zu
erfüllen, andererseits aber auch hinreichend flexibel, um für
verschiedenste Anwendungen auf unterschiedlichen Betriebssystemen oder
Managementarchitekturen einsetzbar zu sein. Diese Abstraktion von den
Spezifika einzelner Systemplattformen wird durch die Verwendung neuer
Middleware-Architekturen wie z.B. CORBA unterstützt. Gegenstand des
Projekts ist unter anderem die Erprobung und Bewertung von CORBA für
den Einsatz im Systemmanagement, die Einbindung in
Managementplattformen und die Nutzung objektorientierter Analyse- und
Designmethoden für die Top-Down-Entwicklung betreibergerechter
Managementsysteme. Integriertes, architekturübergreifendes
Anwendungsmanagement erfordert neben der Erprobung neuer Konzepte auch
die Gewährleistung von Interoperabilität mit bereits existierenden
Lösungen, wie zum Beispiel SNMP-basierten Managementagenten. Hierzu
wurden Konzepte und Prototypen entwickelt, die gegenwärtig von den
Herstellern zu Produkten verfeinert werden.
Projekt Pilotieren von Management-Plattformen und neuen
Netztechnologien
Für die umfangreichen heterogenen Netze des
Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) und seine vielfältigen Systeme muß ein
integriertes Management für Produktionsumgebungen entwickelt werden.
Prototypentwicklungen, Pilotinstallationen und Beta-Tests von
Management- und Netzprodukten bieten Ansätze für viele
"Feasibility-Studies". Zu erwähnen ist insbesondere das Projekt
"Customer Network Management" (CNM), das die Entwicklung von
Konzepten zur kontrollierten Weitergabe von Informationen durch die
Anbieter eines Kommunikationsdienstes an dessen Kunden zum Ziel hat.
CNM ermöglicht es den Kunden, den sie betreffenden Teil eines
öffentlichen Netzes (repräsentiert durch Managementinformationen)
logisch in die eigene Netzinfrastruktur zu integrieren.
Der DFN-Verein betreibt ein bundesweites Forschungsnetz, das sog.
"Breitband- Wissenschaftsnetz" (B-WiN), das den Kunden (vor allem
wissenschaftlichen Einrichtungen) Kommunikationsdienste (IP, ATM und
X.25) zur Verfügung stellt und auf einem von der DeTeSystem
bereitgestellten ATM-Netz basiert.
Für die angebotenen Kommunikationsdienste sollen nun entsprechende
CNM-Dienste aus den Bereichen Fehler-, Leistungs-, Konfigurations-,
Abrechnungs- und Sicherheitsmanagement realisiert werden, die den am
B-WiN angeschlossenen Einrichtungen diejenigen Informationen und
Funktionalitäten bereitstellen, die sie in Bezug auf ihren Anschluß
und die abonnierten Dienste benötigen. Darüber hinaus kann der
DFN-Verein (der seinerseits gegenüber der DeTeSystem als Kunde
auftritt) mittels des CNM-Dienstes seine Qualitätskontrolle für den
ATM-Dienst abwickeln.
Kunden und DFN-Verein werden somit angemessene und aussagekräftige
Informationen über den Status der angebotenen Dienste bereitgestellt;
durch die Abfrage der aktuellen Dienstqualitäten seitens der Kunden
können ansonsten notwendige Rückfragen vermieden werden.
Die dafür benötigte Dienstmanagement-Plattform wird im Rahmen eines
dreijährigen Projekts am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) entwickelt. Der
in der Aufgabenstellung enthaltenen Verteiltheitsproblematik wird
durch eine objektorientierte Entwicklungsmethodik und einer
Client/Server-Architektur Rechnung getragen. Aufgrund des heterogenen
Umfelds bei den Kunden erfolgt die Implementierung auf Basis der
Technologien CORBA und Java.
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Copyright © 1998 Institut für Informatik, Technische Universität München
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Erstellt: 1998-5-5
Letzte Änderung: 1998-5-19