Dezember 1994: "Der F.L.Bauer - Preis"



"Die Informatik ist geprägt von dem atemberaubenden Tempo ihrer praktischen Anwendungen". Wie die TUM-Mitteilungen im Dezember 1994 berichteten, begann so die Laudatio von Professor Dr. Manfred Broy anläßlich der Verleihung des nach Friedrich Ludwig Bauer benannten Preises an Professor Robin Milner am 18.11.1994.

Mit der Verleihung des F. L. Bauer-Preises soll die hervorragende Leistung eines Wissenschaftlers auf dem Gebiet der Informatik gewürdigt werden. Damit sollen zugleich die wissenschaftlichen Kontakte zwischen der Fakultät für Informatik und den Institutionen, an denen die Preisträger forschen und lehren, gefördert und vertieft werden. Der Preis in Höhe von DM 50.000 wird getragen vom Bund der Freunde der TU München, der zu diesem Zweck ein Kuratorium eingerichtet hat. Diesem gehören an Professor Dr.-Ing. Otto Meitinger, Präsident bzw. Altpräsident der TU München (Vorsitz), Professor Dr. Horst Fuhrmann, Präsident bzw. Altpräsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Dr. Elmar Prasch, Schatzmeister des Bundes der Freunde der TUM, Professor Dr. Zenger als vom Bund der Freunde bestimmter Geschäftsführer und der seit 1989 emeritierte Professor Dr. Dr.h.c. mult. Friedrich L. Bauer.

Preisverleihung mit Prof. Manna, Prof. Meitinger und Prof. Bauer


Die erstmalige Verleihung des Preises erfolgte am 27.11.92 an Professor Zohar Manna, Stanford University, "in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Semantik und Logik der Programmierung". An diesem Tag feierte die Informatik der TU München mit einem Festakt ihre Gründung als eigenständige Fakultät und gedachte gleichzeitig des 25jährigen Jubiläums der Einführung des Studiengangs Informatik in Deutschland. (Dieser begann im Wintersemester 1967/68 an der TU München mit einer Vorlesung "Einführung in die Informationsverarbeitung", die von Professor Bauer gehalten wurde.)

Professor Manna leistete Pionierarbeit auf den Gebieten automatisiertes Beweisen, Logik von Programmen, parallele Systeme und Realzeitsysteme sowie Verifikation von Programmen und Programmsynthese. Auf ihn gehen so grundlegende Konzepte wie der optimale Fixpunkt, das call-by-need-Prinzip oder der Ordnungsbegriff auf Multimengen zurück. In Zusammenarbeit mit Amir Pnueli entwickelte Zohar Manna die Theorie der Spezifikation und Verifikation nebenläufiger Programme mit Hilfe temporaler Logik, womit er die Grundlage für eine heute allgemein anerkannte Beweismethodologie schuf.

Anläßlich des Tags der Informatik 1994 wurde der Preis dann zum zweiten Male verliehen an Professor Robin Milner, University of Edinburgh "in Anerkennung seiner wisschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Programmiersprachen und der Semantik der Programmierung". Professor Milner hat entscheidende Beiträge für die Grundlagen der Informatik geleistet. Dazu gehört die funktionale Programmiersprache ML, deren Entwicklung in einem Projekt er zwölf Jahre lang leitete. Aufsehenerregend waren seine Anstöße zur Beschreibung verteilter interaktiver Systeme. Dieses Gebiet, das für Fragen der Rechnernetze, der parallelen Berechnung und der Telekommunikation von vitaler Bedeutung ist, wurde durch die Arbeiten von Robin Milner zur Darstellung kommunizierender Prozesse und zur Beschreibung mobiler Systeme entscheidend beeinflußt und vorangetrieben.

Dritter Empfänger des F. L. Bauer-Preises am 15.11.96 war Professor Anne Sjerp Troelstra von der Universität Amsterdam, einer der führenden Wissenschaftler mit weltweitem Ruf auf dem Gebiet der Beweistheorie und der konstruktiven Mathematik, "in Anerkennung seiner international herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet des Konstruktivismus in Logik und Informatik". Professor Troelstra ist wissenschaftlicher Enkel des renommierten Mathematikers und Logikers Luitzen Egbertus Jan Brouwer: sein Lehrer war Arend Heyting. Es war ihm ein besonderes Anliegen, die intuitionistische Logik von dogmatischen Aspekten zu befreien und sie als ein eigenständiges und reiches, konstruktives Werkzeug innerhalb der mathematischen Logik zu etablieren. Heute spielt in der Informatik die intuitionistische Logik für die Extraktion von Programmen aus Beweisen eine bedeutende Rolle.


Thomas.Ströhlein@informatik.tu-muenchen.de


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Copyright © 1998 Institut für Informatik, Technische Universität München
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Erstellt: 3.3.1998
Letzte Änderung: 2.9.1998