11.12.1996: "Hartnäckig muß ein Wissenschaftler sein. Das ist unumstößliche Regel für Ernst Mayr"



So schrieb die Süddeutsche Zeitung, nachdem am Nikolaustag der Hauptausschuß der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) entschieden hatte, E.Mayr als einzigem Informatiker den Leibniz-Preis 1997 zuzuerkennen - zusammen mit 13 weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die aus 180 Vorschlägen in einem mehrmonatigen strengen Auswahlverfahren mit internationalen Gutachtern selektiert worden waren.

Der Leibniz-Preis ist der bedeutendste in Deutschland verliehene Wissenschaftspreis. Ihn erhalten herausragende Forscherpersönlichkeiten, von denen zu erwarten ist, daß sie noch weitere 10 bis 15 Jahre erfolgreiche Spitzenforschung betreiben. Ernst Mayr erhielt 1,5 Millionen DM zur freien Verfügung, die innnerhalb von fünf Jahren für Forschungszwecke ausgegeben werden können. Bei der Preisverleihung am 15. Januar 1997 in der Aula der Universität Bonn - im Beisein des Bundeskanzlers Dr. H. Kohl - hob der Präsident der DFG, Prof. Dr.W.Frühwald, insbesondere Mayrs neuere Erfolge bei der Entwicklung effizienter paralleler Schedulingalgorithmen hervor, die das Auftreten von Wartezeiten oder Leerlaufzeiten von Prozessoren sowie von Staus beim Daten- oder Programmtransport vermeiden.

Ein weiteres wichtiges Arbeitsgebiet von E.Mayr - zu dem er bereits mit seiner Masters Thesis von 1977 am MIT in Boston ein wesentliches und vielzitiertes Ergebnis beisteuerte - betrifft die algorithmischen Grundlagen der Computeralgebra; hier haben er und zwei Doktoranden erstmals optimale Algorithmen für das zentrale Verfahren der Gröbnerbasis-Berechnung gefunden und die genaue Komplexität des Problems bestimmt. Richtig berühmt wurde Mayr mit seiner 1978/79 im SFB 49 an der TU München bei Prof. Paul angefertigten Dissertation, in der er das schon lange Zeit offene Erreichbarkeitsproblem für Petrinetze durch Angabe eines äußerst komplizierten Algorithmus löste, dessen genauere Analyse und Überarbeitung noch viele weitere Wissenschaftler beschäftigte.

Ehe er mit einem DAAD-Stipendium für ein Jahr ans MIT gegangen war, hatte Mayr - gefördert von der Stiftung Maximilianeum und der Studienstiftung - an der TUM studiert und sein Diplom gemacht. Nach der Promotion ging er zunächst wieder ans MIT (als DFG-Stipendiat) und dann als Assistent (und später Professor) nach Stanford. 1988 kam er zurück nach Deutschland, und zwar nach Frankfurt; seit 1993 ist er wieder in München. Die Fakultät für Informatik der TUM ist stolz darauf, nach M.Broy und G.Hirzinger mit E. Mayr nun schon den dritten Leibnizpreisträger zu haben.


Wilfried.Brauer@informatik.tu-muenchen.de


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Erstellt: 3.3.1998
Letzte Änderung: 7.9.1998