14.8.1996: "Eine Menge gelernt, aber wenig geschlafen"


betitelt die Allgäuer Zeitung ihr Resümee der 17. Internationalen Sommerschule in Marktoberdorf und findet heraus, daß die Teilnehmer keine weltfremden Computer-Fanatiker seien, die von ihren Rechnern aus nur noch über E-mail und Internet kommunizieren. "Denn die 25- bis 30-jährigen, die derzeit alle an ihrer Doktorarbeit schreiben, zeigten sich begeistert von den Marktoberdorfer Kneipen". Zur Eröffnung wußte die Zeitung unter der Überschrift "Flair von wissenschaftlicher Exklusivität" etwas seriöser zu berichten: "International bedeutende Dozenten geben ihr Wissen an den Nachwuchs weiter, es wird gelehrt, gelernt und diskutiert".

Die Themen der bisherigen 17 Sommerschulen spiegeln eine wichtige Entwicklungslinie innerhalb der Informatik wider: Beim Start 1970 wurden "Data Structures and Computer Systems" behandelt, 1971 "Program Structures and Fundamental Concepts". Es ging über "Structured Programming and Programmed Structures" und "Language Hierarchies and Interfaces" zu "Program Construction" und "Theoretical Foundation of Programming Methodology" 1981. Damit hatte die Reihe ihren Schwerpunkt gefunden, der im jährlichen Wechsel mehr die Praxisvermittlung ausgereifter Methoden oder die formallogische Grundlegung zentraler Gegenstände aus der System- und Programmentwicklung betont. Diese alternierende Ausrichtung betraf auch die beiden letzten Kurse über "Mathematical Methods in Program Development" (1996) und "Computational Logic" (1997). Für 1998 ist "Calculational System Design" geplant. Das aktuelle Programm und die Teilnahmebedingungen stehen jeweils im Internet.

Die Marktoberdorfer Sommerschule ist ein Kurs für junge Informatiker, die auf dem Gebiet der Systementwicklungs- und Programmierungsmethodologie arbeiten. Der Kurs bezweckt die Vermittlung fortgeschrittener wissenschaftlicher Kenntnisse und die Förderung von Kontakten zwischen Wissenschaftlern. Jeder Kurs vereint für zwei Wochen ein Dutzend ausgewiesener Spitzenkräfte und etwa 80 ausgewählte Bewerber aus aller Welt. Im Verlauf der vergangenen 27 Jahre hat sich somit eine bemerkenswerte Zahl von Informatikern und Mathematikern, heute vielfach in etablierten Positionen, in Marktoberdorf getroffen. Für den Austausch hat sich die intime Atmosphäre des Tagungsortes als überaus förderlich erwiesen: Gymnasium und Schülerheim der Allgäuer Kreisstadt Marktoberdorf beherbergen die Sommerschule seit Anbeginn.

Die Sommerschule wurde als Außenaktivität des Instituts für Informatik von F.L.Bauer begründet und wird von M.Broy weitergeführt, und zwar als ein Advanced Study Institute des NATO Science Committee mit zusätzlicher Förderung durch die Kommission der Europäischen Gemeinschaft.


Ralf.Steinbrüggen@informatik.tu-muenchen.de


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Copyright © 1998 Institut für Informatik, Technische Universität München
Martina.Crasovschi@informatik.tu-muenchen.de
Erstellt: 3.3.1998
Letzte Änderung: 7.9.1998